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Wittinger Straße Foto: Jürgen Rentsch
Wittinger Straße

12. Februar 2024: Krise auf dem sozialen Wohnungsmarkt

Die SPD-Fraktion verfolgt die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere bei den Sozialwohnungen, mit größtem Interesse. Schon 2021 war zu befürchten, dass das Wohnraumversorgungskonzept aus 2019 nicht wie erforderlich umgesetzt werden wird; jedenfalls im Segment der geförderten Wohnungen. Darum haben wir bereits 2021 den Antrag 141 eingebracht. Ziel war es, die Akteure im Bereich Wohnungsbau an einen Tisch zu bringen, um den Wohnungsbau voranzutragen. Der OB tat diesen Antrag als Geschäft der laufenden Verwaltung ab und unternahm anscheinend nichts.

Im Bereich des nicht geförderten Wohnungsbau ist dagegen sehr viel geschehen. Seit 2019 wurden mehr als 650 Wohnungen fertiggestellt, bzw. befinden sich im Bau. Gezählt haben wir in der Wittinger Straße, auf der Allerinsel (Hafenstraße / Hafenblick), in der Bahnhofstraße, Fuhrberger Straße 2/2a und 4/4a, Wehlstraße am Hotel und Wehlstraße Ecke Wildgarten sowie am Allerbogen /Speicherstraße. Ein Teil davon ist sicherlich dem höheren Preissegment zuzuordnen. Das kann aber nicht für alle Objekte gelten. So hoch kann nach unserer Einschätzung der Bedarf an exklusivem Wohnraum in Celle nicht sein.

Die Krisen der letzten Zeit haben dafür gesorgt, dass der Wohnungsbau weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Extreme Preissteigerungen bei der Bauausführung und die gestiegenen Kreditzinsen waren maßgeblich. Zuletzt war von Investoren zu hören, dass lediglich der geförderte Wohnungsbau noch machbar wäre. Aber auch hier scheint die Ausstattung der Fördertöpfe durch die Bundes- und Landesregierungen nicht ausreichend zu sein. Das Bundesbauministerium gibt hier kein gutes Bild ab. Aber letztlich baut nicht das Ministerium, sondern es sind die Investoren und Wohnungsbaugesellschaften, die hier tätig werden müssen. Und an dieser Stelle müssen wir ansetzten: nicht nur die Forderungen aus unserem Antrag 141 aus 2021 erheben wir weiterhin, zusätzlich ist die Allerland IG (AIG) zu stärken. Damit als erstes der Bau der 52 Sozialwohnungen am Nordwall auf den Weg gebracht werden kann, muss die Allerland von der Stadt unterstützt werden. Dafür liegen zwei Vorschläge der SPD vor, die wir im Rahmen der Haushaltberatungen eingebracht haben. Es handelt sich um die Anträge 364 und 365 aus 2023. In dem einen Fall geht es um eine gezielt Kapitalspritze zur Nordwallfinanzierung, im anderen darum, dass die AIG die Grundstücke auf der Allerinsel nicht kaufen muss, und so die Finanzkraft der AIG gestärkt wird.

Aber die AIG kann das nicht allein schaffen, hier sind auch die anderen innerstädtischen Wohnungsbaugesellschaften gefragt (z.B. Südheide, Wichmann und CBS). Eine Quote für den Bau von Sozialwohnungen kann hilfreich sein, wir halten das aber nicht für den richtigen Weg, weil dabei die Flexibilität der Investoren, auf die es letztlich ankommt, eingeschränkt wird. Es ist besser, bei jedem einzelnen Projekt zu beurteilen, welcher Anteil an Sozialwohnungen sinnvoll ist und wie das mit den Finanzierungsplänen der Investoren zusammenpasst. Starre Quoten könnten Investoren abschrecken.

Wir glauben nicht, dass es in der aktuellen Krise für den Sozialen Wohnungsmarkt den einzelnen Schuldigen gibt. Die Umstände am Bau haben sich insgesamt verschlechtert. Die Rahmenbedingungen müssen wieder besser werden. Da ist die Politik gefragt. Aber auch die Baufirmen und alle die dazu gehören. Es ist schwer nachvollziehbar, wenn sich die Verbände der Arbeitgeber und der Wohnungswirtschaft hinstellen, und die hohen Baukosten beklagen, wie gestern (7.2.) in der CZ berichtet. Vielleicht sollte man sich auch an die eigene Nase fassen, und das überhöhte Renditebestreben etwas herunterfahren, um wieder ins Bauen zu kommen. Das würde einer gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung entsprechen. Vergessen wir nicht, dass wir noch immer in einer wohlhabenden Gesellschaft leben. Und in dieser muss es Ziel und Aufgabe sein, auch für wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen ein bezahlbares und somit würdevolles Wohnen möglich zu machen. Die Entwicklung, dass selbst Durchschnittsverdiener kaum noch Möglichkeiten haben, sich wohnungstechnisch zu verwirklichen, gibt einem zu denken.

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